100 Jahre VFL-Onsabrück

Mega Party und Jubiläums-Turnier - 100 Jahre VFL-Osnabrück
...von Rumpel


Mega Party und Jubiläums-Turnier - 100 Jahre VFL-Osnabrück

Vorspeise
"MEGA-PARTY", mit diesen markigen Worten war auf hauswandgroßen Plakaten für das Jubiläumsturnier 100-Jahre VFL Osnabrück geworben worden. Eingeladen wurden außer unseren Göttern die hochkarätigen Teams von Holzbein Kiel und FC Gütersloh: Bei drückender Hitze und vor ca. 500 Zuschauern waren die "Matches" VFL Osnabrück gegen FC Gütersloh (2:1) und Arminia gegen Holzstein Kiel (2:0) eher von mäßiger fußballerischer Qualität. Es ging um nix - dass merkte man leider zu deutlich.

Es war so erschreckend leer in Stadt und Stadion, als ob nur 10% der Bevölkerung den Zwischenfall im nahegelegenen Atomkraftwerk überlebt hätten.: Es gab mehr Bedienstete als begeisterte Abnehmer von selbstgebastelten VFL Aufklebern und wabbeliger Pizza. Einzig der Getränkestand-Lizenznehmer unmittelbar hinter uns im Block wird sich wohl seinen Wagen neu tunen lassen können. Die aus Kiel angereisten Fans vermochten ein wenig zu Stimmung zu verhelfen, aber wohl mehr aufgrund der neu ins Leben gerufenen Fanfreundschaft, als wegen der von internationalem Format geprägten, fast brasil- ääh - koreanisch anmutenden Begegnungen auf dem Platz. Aber das leere Stadion gab uns mit maximal 20 Arminen dann auch die Möglichkeit unseren Lieblingsschlachtruf für dieses Turnier so vorzutragen, dass wirklich alle, auch die 5 angereisten Gütersloher ihn hören mussten: "Kühe, Schweine - Gütersloh!" Die taktischen Anweisungen der Abwehrchefs, Torhüter und Trainer, die meistens "Pass auf!" lauteten waren auf den Rängen überdeutlich zu hören, es war eben wie eine Begegnung Thekenmannschaft "Fans Bayer Leverkusen" gegen den TuS Dinklage, keiner geht hin und die verrückten, die sich die sengende Sonne antun, feiern sich selbst.

So feierten wir, DSCBenny, Maggi, Rübezahl, Froschkönig, Kopfball und sein Bruder sowie Eddie und ich, die wir uns fast alle nur aus dem Internet- Chat des DSC kannten und hier unser MEGA- BLIND- DATE abhielten. Der Pegel, den wir durch die konsequente Aufnahme stimulierender Substanzen erreichten, war ideal, um anschließend dem Campingplatz Block- ääh - Platzwart zu beweisen, daß wir keines der - natürlich völlig ungerechtfertigten - Klischees von Fußballfans erfüllten. Lediglich Kopfballs Verhandlungsgeschick rettete uns einen Schlafplatz für die Nacht, der nicht Brücke, Auto o.ä. hieß. Als wir nachts Wohnwagenboccia gespielt haben, waren wir allerdings noch mal kurz vorm Rausschmiss. Die Regeln für diese neue Form des Boccia sind einfach und vergleichbar zu Schiffe versenken mit Akkuschrauber im Jachthafen: Froschkönig die mit blauen ich die mit braunen Vorzelten, Bremsleitungen kappen und mit einem ordentlichen Schubs den Abhang runterrollen lassen. Gewonnen hat der, bei dem die aus dem Schlaf gerissenen am dämlichsten gucken. Der Campingplatzwart war derart begeistert von diesem Spiel, dass er sofort die Event- Marketing- Agentur "Wähl 110 - wir sind für jeden Spaß zu haben" verständigen wollte.

 

Hauptgang
Ach ja, Fußballturnier, nun, die Arminia spielte in beiden Spielen langweilig - das war eigentlich schon alles.

Aber es gab auch ein paar Lichtblicke: Beim Turnierendspiel, dass zur Pause 0:0 stand war ein schönes Kurzpassspiel zu beobachten, wenn auch noch etwas das Tempo fehlte - aber, die Bälle kamen an, 100% Steigerung gegenüber dem Testspiel gegen Paderborn. Vor allem Berkant Göktan und Dirk van der Ven wußten, es ging um was, einen möglichen Platz neben Bruno Labbadia. So war Van der Veen auch einer der Spieler mit dem größten Laufpensum, Übersicht beweisend und auch mal einen Schuss aufs Tor wagend, Vorbereiter und Ausputzer, es ging ein wenig Glanz von ihm aus, nicht nur weil die Sonne seinem Kopf denselben verlieh. Göktan war schnell, biss sich aber zu oft in der Abwehr der Gegner fest, sowas kennen wir ja und haben es gerade für 5 Mio. verkauft! Alexander Klitzpera war ebenfalls ein Lichtblick, für einen Verteidiger zeigte er einen guten Drang nach vorne, ohne mit schnellen Spurts die Abwehr zu vernachlässigen. Er wirkte im Zweikampf, auch bei Kopfbällen, souverän und hatte auch die eine oder andere gute Szene vor dem gegnerischen Tor. Aber alles unvergleichlich mit Straal, ja unserem Roberto, jenem niederländischen Superverteidiger, der jeden aber auch wirklich jeden Zweikampf mit einem Foul einläutete. Dass der Schiri ihm nach einer Notbremse als letzter Mann den gelben, statt den roten Karton zeigte, muss daran gelegen haben, dass er farbenblind ist. Aber das Schiedsrichtergespann war ohnehin eines der besonderen Sorte. "Unser" Linienrichter hatte ein schwarzes Oberteil mit weitem V-Ausschnitt an, wodurch man seine mit Goldketten behangene, sonnengebräunte und behaarte Brust besser sah. Als ich mir schließlich seine riesige Goldene Brille genauer anschaute war eines klar - der spielt in der Mannschaft "rosa Wattebausch" des VFL.

Der Tiger ließ im ersten Spiel drei Stürmer auflaufen - große Hoffnungen auf eine Weiterentwicklung des wunderschön anzuschauenden, von Kurzpassspiel durchtränkten, Offensivfußballs, den Thommy unseren Jungs in der 2. Liga beigebracht hatte, keimten in mir auf, und dann auch noch mit der ach so modernen 3 Stürmer Variante! Aber die Vorfreude war umsonst, im Endspiel hieß es wieder 3-5-2, was uns jedoch immer noch mehr Spaß machte als das komplexe 0-10-0 System des FCG, dass wohl nur für wahre Fußballkenner ein taktischer Leckerbissen war. So geschah in der zweiten Halbzeit des Endspiels das, was jeder auch beim Rückstand von 0:1 ahnte, wir gewannen irgendwie: Sternkopf hob den Ball dezent über den Keeper des VFL, Ausgleich. Dann, das erste Mal bei diesem Turnier Spannung, in der 89. Minute des Endspiels:

Die Hitze von mittlerweile 34 Grad, bei null Wind, schien uns fast umzubringen, als ein krebsroter, angst- den- Zug- zu- verpassender Eddie sichtlich erleichtert war: Göktan brachte nach Flanke von Rydlewitz durch ein Kopfbällchen die 2:1 Führung und den Turniersieg - kein Elfmeterschießen als Höhepunkt einer ansonsten zum gähnen langweiligen Fußball- "Mega-Party". Lediglich Yoshis Auftauchen und seine Frage an Heribert Bruchhagen, wann Robert Hartge endlich verpflichtet würde, sorgten für eine geistreiche Abwechslung.

Nachspeise:
Nun, vielleicht war es ja das, was man in Osnabrück unter "Mega-Party versteht?
Vielleicht haben wir die Begeisterungsfähigkeit dieser Stadt überschätzt, wenn ein Bundesligist kommt um sich den Turniersieg zu holen: "Kniet nieder Ihr Fans von Holzbein, VFL und FCG, der Pistolero hat den Rasen dieses Fußballfriedhofs betreten!"
Hätte Eddie uns nicht seine Osnabrücker Kumpels (Den Finnen und Carsten55) vorgestellt, dann hätte ich, meiner These folgend, dass der Block- äh - Platzwart des Campingplatzes dem Prototypen des durchschnittlichen Osnabrückers entspricht, meine Drohung wahr machen und das Stadtgebiet dem Bundesverteidigungsministerium als neuen Truppenübungsplatz für Häuserkampf und Splittergranantentests empfehlen müssen.

Espresso:
Für die Deutschen Meisterschaften im Wohnwagenboccia sind wir jetzt qualifiziert.
Wir würden noch mal hinfahren - selten so gelacht!