Jens' Story #3

Bevor wir zum Fußball kommen ein kleiner Ausflug in die schöne Welt des Boxsportes.

Ich bin dankbar. Gott bin ich dankbar! Normalerweise interessiert ich mich nicht besonders für den Boxsport, vermutlich auch weil man in Deutschland jahrelang mit dieser Technik-Boxer-Riege aus dem Stall Wolke/Sauerland gequält wurde. Ganz ehrlich, mir geht es am Arsch vorbei ob technisch sauber vorgegangen wird, wenn sich in Wirklichkeit doch einfach nur zwei Männer aufs Maul hauen sollen. Ich will keine 12 Runden, ich will kein Punkturteil, ich will einen der Beiden am Boden liegen sehen. Easy as that. Genau diesem simplizitischen, wie fatalistischen Anliegen konnte hier jahrelang niemand Rechnung tragen.

Weder Henry ‘Gentleman’ (schon der Spitzname ist grauenhaft für ein Boxer) Maske, Thorsten ‘Die Bohnenstange’ May noch, und jetzt müssen wir das Kind beim Namen nennen, Axel ‘Der weiche (sic!) Riese’ Schulz. Allenfalls Roccigiani konnte ich etwas abgewinnen. Der hat entweder richtig gewonnen (selten), wurde richtig beschissen oder verlor grandios. Außerdem kenn ich niemand, dessen gesamter Kopf so dermaßen schön zugeschwollen und verbeult sein kann, wie jener von Rocky. Ein großer Verlierer.

Schulz dagegen... Axel Schulz war, für mich, als Boxer immer das Äquivalent zu Stephan Kohn als Torjäger. Nicht nur unterqualifiziert , sondern ganz einfach fehl am Platz. Wie der Versuch einen Stummen als Radiomoderator arbeiten zu lassen. Das hat die Deutschen nie daran gehindert Schulz zu lieben, was mich wiederum etwas an den Leuten zweifeln ließ.

Und deswegen bin ich dankbar. Seit Samstag ist das alles vorbei. Man hat gesehen wie weit Schulz wahren Fähigkeiten reichen (kein Treffer in 8 Runden). Im Grunde eine öffentliche Hinrichtung im Fernsehen. Die Amerikaner wären stolz auf uns gewesen.

Natürlich werden die Leute Axel auch weiterhin lieben, nur mir kann das jetzt egal sein. Er wird nie wieder in einem Ring rumeiern und es gibt auch, Gott sei Dank, nichts über ihn zu erzählen. Keine grandiosen Siege, keine Titel, keine legendären Kämpfe. Nur Niederlagen in entscheidenden Kämpfen. Ein Furz in der Geschichte des Boxsports. Im Grunde wie eine durchschnittliche Fortuna Köln-Saison. Immer zweite Liga!

Erstklassig dagegen ist Arminia Bielefeld (wow was ein Übergang).

Nachdem wir in der Vorwoche generös einem historischen Ereignis beigewohnt hatten (erster Ulmer Bundesligasieg in der Geschichte der Menschheit ) ging es nun gegen Freiburg schon um einiges. Entweder hoch in die UEFA-Cup-Plätze und die guten Leistungen der Startphase bestätigen oder gleich in den Keller. Ja, so eine noch junge Saison läßt Sprünge zu, die den Launen eines manisch-depressiven Menschen nicht unähnlich sind. Wobei wir von dem UEFA-Cup-Platz noch früh genug wegkommen werden, an dem Kellerplatz hätten wir dagegen geklebt wie eine Tüte geschmolzene Marshmellows.

So war die Mannschaft zwar etwas verkrampft angesichts der Situation, aber doch guten Willens und entschlossen einen Heimsieg einzufahren. Wie bekannt sein dürfte, hat sie das ja dann auch getan. Es wurde allerdings überdeutlich, daß der Verein auf dem besten Wege ist in eine Stürmermisere zu rutschen. Nur 3 Stürmer da, zwei davon mit Ladehemmungen und der dritte spielt sowieso nicht. Da sollte nachgerüstet werden, zwar bedacht aber doch jetzt mal bald. Ob wir allerdings den Chinesen brauchen, der gerade getestet wird. Ich weiß nicht so recht... Wie wär’s, wir verkaufen die Stadthalle, Sparrenburg, Jahnplatz, Seidenstickerhalle, den Sieker-Grill und holen dafür Batistuta oder ähnlich Schickes. Beim fortgeschrittenen Alter von z.B. Zamorano könnten wir eventuell sogar den Sieker-Grill behalten. Goldene Aussichten!

Vor der Saison, im Rahmen des Transferstreits um den Spieler Ronald Maul, hat uns der HSV zusätzlich zu 1,5 Millionen DM Ablöse noch den Spieler Rudolph Esteban Cardoso als Bonus angeboten.

Man was haben wir hier gelacht. Cardoso! Für wie blöd hält uns der HSV eigentlich ? Kann ja kein Mensch ahnen, daß der Argentinier sich anschickt, 387 Jahre nach seiner letzten guten Saison, doch noch mal was für sein Geld tun zu wollen. Irgendwie spielt es aber dann doch keine entscheidende Rolle, denn Cardoso ist kein Stürmer und mit Weissenberger haben wir den jüngeren, quirligeren und besseren Spielgestalter verpflichtet. Da kann man schon mal drüber hinwegsehen, daß er Österreicher ist.

Zwischendurch ein wenig Öffentlichkeitsarbeit. Es ist wahr, daß wir unseren Libero Thomas Stratos zärtlich ‘Gyros’ nennen, aber den Kosenamen ‘Alpenzwerg’ für besagten Weissenberger, hab ich von Fans noch nicht gehört. Ich mag mich täuschen aber ich halte das für ein Pressekonstrukt. In jedem Fall haben wir es mit einem ungewöhnlich begabten Balltreter zu tun.

Ronald Maul dagegen; der machte zuletzt den Eindruck als er hätte er mit dem Nationalmannschaftseinsatz gegen die Brasilianische Selecao seine Lebensziele voll und ganz erreicht und wolle den Rest besagten Lebens in schwelgerischer Lethargie verbringen. Da geht ein ganz herzliches Dankeschön an die Freiburger für die psychologische Aufbauarbeit die sie an Maul leisteten. Brilliant-perfide wie sie das 2:1 Eigentor so einfädelten, daß Maul glauben müßte er hätte irgendwas mit dem Tor zu tun gehabt. Vielleicht hilft es ja.

Es gibt viele großartige Spieler deren Nachnamen mit dem Buchstaben ‘H’ anfangen. Da wäre z.B. ... also... und... ähhh... dann wäre da noch... ...nun.. ja... Wenn man es recht überlegt gibt es eigentlich gar nicht so viele gute Spieler mit H. Genau in diese Phalanx der ‘Gar nicht so guten Spieler mit H’ reiht sich Andre Hofschneider nahtlos ein. Gibt es da draußen einen Arminia-Fan, der mir plausibel erklären kann, warum wir diesen Sozialfall immer in der Anfangsformation mit durchschleppen ? Seit längerer Zeit kann ich nicht mehr ins Stadion gehen, ohne enorme Angst vor jeder Ballberührung seitens Hofschneider zu entwickeln.

Und auch diesmal enttäuschte der Routinier seine treusten Anhänger nicht. Stets brandgefährlich für die eigene Hintermannschaft, behäbig im Spielaufbau, grandios schlecht in der Ballannahme, mit unötigen Ballverlusten in den ungünstigsten Momenten. Eine Augenweide für jeden Freund des ungepflegten Fußballs. Lange, lange Zeit habe auch ich die Propagandalüge von wegen eingespielter Achse geglaubt. Schnickschnack !

Mein Urteil: Der Mann ist einfach ... nicht so gut.

So genug gemeckert, die Mannschaft ist gefestigt, spielt gut und die Meisterschaft ist immer noch möglich.;) Was will man mehr ? Höchstens noch eins:

Vor einigen Jahren, damals als der FCB noch die einzige bayrische Vertretung in der Bundesliga war, konnte es noch als Privileg bzw. Geschenk angesehen werden, sein Auswärtsspiel in München zur Wiesnzeit zu haben.

Das passierte meistens nur einer, maximal zwei Mannschaften im Jahr. Verloren hat man in München sowieso (mal abgesehen vom grandiosen Bielefelder 4:0 Sieg anno dazumal) aber man konnte sich vorher und nachher ordentlich die Hucke zusaufen und hatte ordentlich Späßchen. Die Stadionsicherheit scheint es in den Wochen des Oktoberfest auch nicht so genau zu nehmen. Was hab ich da schon orientierungslose Alkoholleichen durch das Stadion wanken sehen (oder war das nur ein normaler bayrischer Ureinwohner ?). Nun, die Zeiten der Geschenke und Privilegen sind vorbei. Angesichts von 3 Münchener und einer weiteren bayrischen Mannschaft (Ulm) bedarf es schon ungewöhnlichen Pechs in den Wochen des Oktoberfest nicht als Gästefan in tief süddeutsche Gefilde reisen zu dürfen.

Und, halleluja, die Arminen dürfen dieses Jahr wieder auf die Wies’n.

Schon am Freitag wird (wurde) gespielt, worauf man das ganze restliche Wochenende Gelegenheit hat sich urlaubsreif zu feiern. Wenn interessiert es da schon , daß der Gegner nur 1860 Lorant heißt und nicht Bayern München.

Exakt. Niemand!

 

Jens

P.S. Vor zwei Wochen hab ich mich über die Bremer Stürmer im allgemeinen und den Transfer von Pizarro im besonderen lustig gemacht. Liebe Bremer, es tut mir leid ! Trotzdem könntet ihr mit diesem Unfug jetzt wieder aufhören. 5 Tore pro Spiel, ihr macht euch doch unglaubwürdig ! Tztztz...